Vorgeschichte des Turnens in Deutschland
Die Turnbewegung entstand Anfang des 19. Jahrhunderts, v. a. durch das Wirken von F.L. Jahn, der an die Bestre-bungen von J. B. Basedow, J. C. F. Guts Muths u. a. an-knüpfte. Nach Jahn sollte das Turnen Körper und Charakter bilden und damit auch die Wehrhaftigkeit des deut-schen Volkes stärken. In der Zeit der napoleoni-schen Herrschaft gewann das Turnen somit einen politi-schen Aspekt; es sollte Ange-legenheit des ganzen Volkes werden und Standesunter-schiede sowie Kleinstaaterei in Deutschland überwinden. Die Leipziger Völkerschlacht war geschlagen und Deutsch-land befreite sich von Napo-leon. Jahn hatte sein Ziel er-reicht. Zum einen, indem er selbst – wenn auch wenig ge-konnt – beim Lützower Frei-korps mitkämpfte. Zum an-deren, weil er die Jugend durch die Leibeserziehung wehrfähig gemacht hatte: das Turnen als vormilitäri-sche Ausbildung. Laufen, Springen, Klettern sind hilf-reich im Feld, das merken seine Schützlinge, als sie 1813 in den Kampf ziehen. Wie praktisch für die Rekru-tierung, dass Jahn als Hilfs-lehrer arbeitet, seine Wohn- und Wirkstätten lagen nicht weit von der Berliner Hasen-heide entfernt. Der alte, weißhaarige Turnvater schart Jugendliche aller Stände um sich. Sie reden sich mit ei-nem vertrauten „Du“ an. Sie tragen lange Hosen, die sie in die Stiefel stecken, und eine kurze Leinenjacke sorgt für die nötige Bewegungsfreiheit an den schulfreien Nachmit-tagen.
Spaziergänger schütteln ihre Köpfe, stecken sie zusam-men. Die scheuen und baffen Blicke der Bürger huschen ü-ber eine Wiese, bleiben er-staunt hängen. Es hat sich et-was verändert an diesem Samstag, den 19. Juni 1811. Der Weg zu den Ausflugslo-kalen vor den Toren Berlins besitzt eine neue Attraktion: turnende Männer.
Die Burschen und Herren da-gegen sind sich durchaus be-wusst darüber, was sie da auf der Hasenheide tun: Sie treiben Sport. Denn heute ist die offizielle Eröffnung des ersten öffentlichen Turnplat-zes der Welt. Auf dem ehe-maligen Gehege für kur-fürstliche Hasenjagden schwingen sie in den Seilen, stemmen sich die Stämme hinauf und balancieren über Balken. Barren, Reck und Hantel, Laufbahn, Labyrinth und Schwimmgraben, Turn-pferd, Schwebebaum und Kletterstange … Und mitten-drin steht ein Mann von ho-her Statur, kräftig, muskulös, schroff, etwas verlottert, er wirkt rebellisch, rauh. Es ist ihr Anstifter: Friedrich Lud-wig Jahn.
Die Turnbewegung war eine politische Bewegung
Bereits 200 Turner springen und laufen im ersten Som-mer über die Hasenheide, der Platz muss ständig erwei-tert werden. Neue Turn-übungen werden entwickelt. Die hölzernen Gerätschaften, deren Material ein Schiff-bauer gespendet hatte, stellt die Truppe zur Vorsicht in ei-nem Verschlag unter. Nach den Befreiungskriegen steigt die Zahl der Turner weiter, sodass 1816 in ganz Deutsch-land 12 000 Mitglieder dazu-gehören. Die Turnbewegung bleibt politisch, weshalb 1819 die Karlsbader Beschlüsse eine Turnsperre und Jahn wegen hochverrä-terischen Verhaltens ins Ge-fängnis bringen.
Nach Aufhebung des Verbots (1842) erlebte die Turnbewe-gung einen raschen Auf-schwung und wurde Mitträ-gerin der liberalen Kräfte und der Revolution von 1848. Im Zeichen der nationalen Eini-gung standen seit 1860 (Coburg) die Deutschen Turnfeste, ehe die Turnbe-wegung, die sich 1868 in der Deutschen Turnerschaft (DT) vereinigte, nach der Reichs-gründung einen mehr kon-servativen Charakter an-nahm. Im Rahmen der Arbei-terbewegung (besonders zur Zeit der Geltung des Sozialis-tengesetzes) bildete sich ein eigenes Turnwesen heraus, 1893 wurde ein Arbeiter-Turner-Bund gegründet.
Chronik
Johann Friedrich Ludwig Christoph Jahn (1778 -1852), genannt „Turnvater Jahn“
Alles begann auf der Hasenheide in Berlin.
Vorgeschichte des deutschen Turnens
Frisch, fromm, fröhlich, frei ist seit jeher der Wahl-spruch der Turnbe-wegung.
Die Welt um 1903
Es macht Sinn, die Zeit und das Treiben in Frintrop um 1903 zu beleuchten. Eine Zeit, in der Frintrop flächen-mäßig noch größer war, als wir es heute kennen. Frintro-per gehörte noch zur größten preußischen Landgemeinde Borbeck, wurde erst 1915 nach Essen eingemeindet. Die westliche Grenze er-streckte sich dabei bis zum Lipperheidebaum und im Norden bis an die Emscher.
Der Wasserturm und der 64 m hohe Kirchturm mit Turm-kreuz und Hahn stehen be-reits seit 1896.
Besonders in Unterfrintrop gibt es eine rege Bautätig-keit, sodass die Grundstücks-preise entsprechend steigen.
Auch die elektrische Straßen-bahn gibt es seit wenigen Jahren und so ist man mit den Städten Essen und Ober-hausen verbunden.
Die Gute Hoffnungs-Hütte und der Sammelbahnhof Frintrop, der größte Ver-schiebebahnhof seiner Art in Europa, sind große Arbeitge-ber und auf dem Marktplatz in Unterfrintrop wird regel-mäßig ein Wochenmarkt abgehalten.
Die steigenden Einwohner-zahlen erfordern auch eine Verstärkung des Schulwe-sens und so kommt bald auch eine weitere Schule (die Schule Frintrop III, heute Walter Pleitgen-Schule) dazu.
Und Frintrop ist noch ein Zechenstandort, denn der zur Zeche Oberhausen gehö-rende Schacht Kattendahl an der damaligen Kahrstraße (heute Oberhauser Straße) steht kurz davor, in 130 m Tiefe auf die ersten Kohleflö-ze zu stoßen.
In Unterfrintrop sind Überle-gungen im Gange, eine eige-ne Kirche zu bauen und Geistlicher ein St. Josef ist Pfarrer Schlenter.
Bürgermeister Borbecks war zu dieser Zeit Rudolf Heinrich seit 1881 und bis 1907.
Die Bebauung war sehr lo-cker und konzentrierte sich im Wesentlichen um die St. Josef-Kirche, um den Frintro-per Markt und in Teilen Un-terfrintrops, aber man hatte seit gut 20 Jahren eine eige-ne Postagentur.
Niedergelassene Ärzte gab es ebenso wie eine Apotheke.
Das gesellige Leben spielte sich viel in Vereinen ab, die sich bis dahin gegründet hat-ten.
Bürgerschützenverein von 1864 e.V.
Kirchenchor St. Josef (1877)
Katholischer Knappenver-ein St. Barbara (1884)
MGV Sängerkreis Frintrop von 1887
Turnverein Frintrop, später Turn-Vereinigung 1892 Unter-Frintrop
Freiwillige Feuerwehr Frintrop (1892)
Konsumverein Eintracht Frintrop (1901)
Oder man ging zum Tanz z.B. in eines der Gartenlokale, wobei die 1892 eröffnete Gartenanlage der Gaststätte Voßkühler mit ihrem 1891 fertiggestellten und rund 32 m hohen hölzernen Aus-sichtsturm auch Besucher von weither anlockte.
Auch die evangelische Ge-meinde Dellwig-Frintrop-Gerschede wirkt bereits in der Gnadenkirche an der Pfarrstraße.
In Essen wird Krupp zu einer Aktiengesellschaft und in Frankreich fahren zum ersten Mal 60 Radfahrer die Tour de France.
In Dresden findet der 1. Deutsche Städtetag statt und August Storck bringt seine Werther‘s Echte in Umlauf.
Während der Kaiser regierte, gab es in Hamburg-Altona die erste deutsche Fußball-meisterschaft.
George Orwell, Johannes Heesters und Theo Lingen wurden geboren und das Deutsche Museum in Mün-chen wird gegründet.
1903
Der Gründung des Turner-bund Frintrop war bereits 1892 die Gründung eines an-deren Turnvereins auf Frintroper Boden vorausge-gangen: die Turnvereinigung 1892 Frintrop.
Die Gründe, die ehemalige Mitglieder dieser Turnverei-nigung im Herbst 1903 be-wegte, einen neuen Turnver-ein zu gründen, sind uns nicht bekannt. Vielleicht war es das Gaufest in Borbeck, dass vom 20. bis 22. Juni 1903 stattfand, das den Aus-löser dafür gab.
An der Gründungsversamm-lung selbst im Lokal von Wil-helm Vosskühler auf der Frintroper Höhe nahmen im-merhin 75 Interessierte teil.
Frintrop gehörte seinerzeit noch nicht zur Stadt Essen, sondern war Teil der größten preußischen Landgemeinde Borbeck und hatte darüber hinaus noch Ländereien au-ßerhalb der heutigen Frintro-per Grenzen, denn ein Teil Frintrops gehört seit der Ein-gemeindung Borbecks nach Essen im Jahr 1915 zur Stadt Oberhausen.
Gründungsmitglieder waren übrigens der bekannte Frintroper Malermeister Jo-hann Müller, Christian Mül-ler, Philipp Leiendecker, An-ton Althaus, Ernst Hinsel, Ja-kob Brauers, der bekannte Bauunternehmer Hermann Koehne, Johann Bonn, Jo-hann Köppen und Willi Lee-nen. Zum 1. Vorsitzenden wählte man Christian Müller. Schriftwart wurde Johann Bonn, Turnwart Johann Mül-ler und Gerätewart Johann Köppen.
Der erste Übungsbe-trieb im Geräteturnen wurde im Saal der Gaststätte Wilhelm Voßkühler durchge-führt.
Baumeister Hermann Koehne, der mit sei-nem Unternehmen auch den Frintroper Wasserturm errichte-te, und Gastwirt Voß-kühler stellten einen namhaften Betrag von 300 Mark (ca. 2.000 €) zur Anschaffung der ersten Turngeräte zur Verfügung.
Damals sprachen sich die Turner (es waren seiner-zeit ausschließlich Männer Vereinsmitglieder) mit Ge-nossen an. Die Jugendturner wurden Zöglinge genannt und der Festordner war der Festgendarm. In Monatsver-sammlungen diskutierte man z.B. über das Tragen von Mützen oder Hüten zu Fest-umzügen.
Der Betätigungsrahmen des jungen Vereines war noch eng. Außer am üblichen Turnbetrieb nahmen nur ver-einzelt Turngenossen an Ver-bands-, Bezirks- oder Gaufes-ten teil. Die Höhepunkte des Vereinslebens erschöpften sich in Stiftungsfesten, die als „Gartenkonzert“ mit Ball ge-feiert wurden, in „Commersen“ anlässlich der Rekrutenabschiede und Turnfahrten des Verbandes Borbeck.
Bezüglich der Organisation der übergeordneten Verbän-de ist es für uns heute inte-ressant, dass Frintrop in den letzten Jahren vor dem 1. Weltkrieg zum Verband Bor-beck und zum Bezirk Ober-hausen-Hamborn gehörte.
Chronik
Auf dieser Ansichtskarte vom Ende des 19. Jahrhunderts sieht man unten links die Gaststätte Voßkühler, in der der Turnerbund gegründet wurde, mit dem 32 m hohen hölzernen
Aussichtsturm.
75 interessierte Männer waren zur Gründungs-versammlung bei Voßkühler erschienen.
Frisch, fromm, fröhlich, frei.
Das ist der Turner Reichtum.
1903
1904 – 1907
Die Borbecker Zeitung be-richtete 1904 darüber, dass aufgrund der beginnenden dunkleren Jahreszeit viele sportliche Aktivitäten wie Ru-dern, Radeln, Ballspiele oder Schwimmen nicht mehr stattfinden könnten. Eine lo-benswerte Abhülfe böten hierbei die Turnvereine, da jede Jahreszeit zur Vornah-me von Turnübungen geeig-net wäre. Ein Eintritt in diese sei zurzeit besonders günstig, da mit Beginn der Wintersai-son in den Abteilungen neue Riegeneinteilungen vorge-nommen würden.
1908
Wahrscheinlich zu seinem 5jährigen Bestehen wird das Vereinsbanner geweiht, das leider nicht mehr erhalten ist. Dafür gibt es in unserem Vereinsheim noch ein Fah-nenband aus diesem Jahr, „gewidmet durch die Damen der Vereinsmitglieder“ zur Fahnenweihe, dass zu den Schmuckstücken unseres Vereines gehört.
Im Dezember beschließt der Gemeinderat, dass dem Tur-nerbund Frintrop gestattet wird, den Übungsplatz der Feuerwehr für Turnübungen mitzubenutzen.
1909
Für seine verdienstvolle Mit-gliedschaft im Verein wird der Bauunternehmer Her-mann Koehne Ehrenmitglied.
Der Vorstand des noch jun-gen Vereines setzt sich wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender: Johann Kirchhoff, Schriftwart: Philipp Leiendecker, Turnwart: Willi Leenen/Johann Müller, Kas-senwart: Wilhelm Hackert, Gerätewart: Johann Köppen/Jakob Brauers, Vorturner: Ja-kob Büllesbach, Beisitzer: Willi Leenen, Heinrich Vief-haus.
1910
Die Turnfreunde Ferdinand Baasel, der von 1907 bis 1915 der letzte Bürgermeis-ter der preußischen Landge-meinde Borbeck war sowie der Gastwirt Wilhelm Voß-kühler werden Ehrenmitglie-der.
Der Jahresbeitrag betrug 1,30 Mark und der Kassenbe-richt verzeichnete am Ende des Jahres 1910 einen Über-schuss von 56,18 Mark.
Am Bezirksfest in Oberhau-sen nahmen Jakob Huying und Johann Mütze teil.
Schon 1910 hatte sich das Selbstbewusstsein der jun-gen Turnvereinigung so ge-stärkt, dass sie in der Lage war, das erste Verbandsfest selbst zu übernehmen und auszurichten. 1911
Das Vereinsbanner wird in ein Vereinsschild umgeän-dert.
Aus diesen Zeiten liegen uns auch die handschriftlichen Aufzeichnungen von Her-mann Koehne vor, die er für seine teils sehr patriotisch gehaltenen Reden im Verein nutzte. 1912
Am Hamborner Bezirksfest nahmen die Turngenossen August und Gottlieb Seiden-eck, Heinrich und Hermann Witte, Willi Rathmer und Ja-kob Huying teil.
Der Gedanke, für eine Ju-gendhalle werbend einzutre-ten, tauchte schon in diesem Jahr erstmalig auf durch eine schriftliche Eingabe an die Behörde. Ebenso wurde jetzt schon erwogen, eine Platzan-lage für das Turnen im Freien und Durchführung von Ball-spielen zu erwerben.
1913
Die Generalversammlung in diesem Jahr befürwortete den Beitritt zum „Jungdeutschen Bund“, eine nationalkonservative Älte-renvereinigung der Wander-vogelbewegung, eine 1896 gegründete Jugendbewe-gung. In der gleichen Ver-sammlung legte Schriftwart Philipp Leyendecker sein Amt nieder, da er nach Sterkrade verzog. 1914
Der 1. Weltkrieg bricht aus, nachdem der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau in Sarajewo von slawischen Nationalisten ermordet wurden. Dies führ-te dazu, dass der größte Teil der Angehörigen des Turner-bundes zu den Waffen geru-fen wurde und neun von ih-nen das sinnlose Völkermor-den nicht überlebten: Willi Christ, Willi Geisen, Aloys Herskamp, Jakob Husemann, Heinrich Meyer, Willi Rathmer, Gerhard Twiehaus, Fritz Warmers und Theo Wit-te.
Im September berichtet die
Essener Volkszeitung dar-über, dass der Turnerbund Frintrop seinen gesamten Kassenbestand in Höhe von 50 Mark zur Unterstützung von notdürftigen Familien der zur Fahne einberufenen Einwohner der Gemeinde Borbeck zur Verfügung ge-stellt wird. […] Für die im Fel-de stehenden Turngenossen ist seitens des Vereins eine besondere Sammlung einge-leitet, zu der bereits eine an-sehnliche Summe gezeichnet ist. 1915 – 1917
Die Essener Volkszeitung be-richtet im April 1917 von ei-ner haushohen Überlegen-heit des Turnerbunds Frintrop, denn am 23. April kam das fällige Rückspiel im Fußball zwischen den kombi-nierten Mannschaften der genannten Vereine in Frintrop zum Austrag, das zu-gunsten des Turnerbund mit 3:1 endete. Mit welchem Verein kombiniert wurde und wer die haushohe Über-legenheit hinnehmen muss-te, wurde nicht genannt.
Das wesentliche Merkmal dieses ersten Abschnittes der Vereinsgeschichte war das redliche Bemühen weniger Idealisten, dem tieferen Sinn deutschen Turnens und sei-ner Volkstümlichkeit zum Durchbruch zu verhelfen. Trotz großer Anstrengungen vermochten aber die alten Kämpfen des Bundes nicht verhindern, dass das Interes-se für das Turnleben abflau-te. Das Vereinsleben kam im Krieg ganz zum Erliegen. Mit-gliederversammlungen wur-den von 6 bis 20 oder Gene-ralversammlungen von 15 Mitgliedern besucht. Das Vereinsvermögen schmolz auf ganz 6,63 Mark. So lösten die Umstände den jungen Bund für Jahre auf.
Der unsinnige 1. Weltkrieg reißt Lücken in die Turn-gemeinschaft.
Johann Mütze, der 1956 Ehrenmitglied wurde, in einer Aufnahme aus die-ser Zeit.
1918
Am 11. November 1918 en-dete der 1. Weltkrieg. Am 29. November treffen die ersten heimkehrenden Frontsolda-ten in Essen ein.
Frintrop gehörte nach der Eingemeindung Borbecks am 1. Januar 1915 nach Essen nun der Kruppstadt an.
Unmittelbar nach dem Krieg nahmen die Getreuen des Turnerbundes mit dem bis-herigen Vorstand ihre Tätig-keit wieder auf, stellen neue Statuten auf und führen den „Zapfenstreich“ ein, der frü-her bei vielen Vereinen Be-standteil bei einem Kommers oder Stiftungsfest war.
Mit der Ausrufung Deutsch-lands als Republik am 9. No-vember 1918 hatte das Deut-sche Reich erstmals eine par-lamentarische Demokratie. 1919
Die Mitgliederkurve steigt sprunghaft an und eine Ver-sammlung in diesem Jahr zählt 72 Anwesende und zei-tigt 31 Neuaufnahmen. Un-ter diesen ist das Interesse am Fußballspielen groß und so wird erstmalig dem Verei-ne eine Fußballabteilung un-ter dem Obmann Franz Herskamp angegliedert. Die-se bringt aber nur erheblich Mehrarbeit, Schwierigkeiten, persönliche Anwürfe und so-gar Geldschulden ein und löst sich nach einem Jahr schon wieder auf, nachdem der von einem Landwirt ge-pachtete Spielplatz kurzer-hand zurückgefordert wird. Ein Fehlexperiment.
Aus nichtigen Gründen legt ausgangs 1919 der 1. Vorsit-zende Johann Kirchhoff, der in Frintrop in Himmelpforten 1 wohnte, nach zehn Jahren sein Amt nieder.
1920
Der bisherige Schriftwart Phi-lipp Leiendecker löst Johann Kirchhoff, der vom 25. Au-gust 1922 bis 1940 Rendent (Gemeindekassenführer) bei St. Josef wird, als Vorsitzen-der ab. Neuer Schriftführer wird der Turngenosse Emil Müller. Durch intensiven werbenden Einsatz der Gebrüder Jakob und Jugend-wart Christian Huying scheint sich eine Blütezeit der Turn-gemeinschaft anzubahnen. Turnwarte werden Wilhelm Leenen und Franz Most. Vor-turner im Verein werden in Lehrgängen gründlich ausge-bildet und das Schwerge-wicht wird auf die turneri-sche Erziehung der Jugend als Nachwuchs des Turner-bundes gelegt.
Für die volkstümlichen Übun-gen unter dem Obmann Jo-hann Müller wird für die Summe von 1.600 Mark auf der Frintroper Höhe ein Grundstück erworben und in freiwilliger Arbeit zum Sport-platz umgestaltet.
Ende des Jahres verzeichnete das Mitgliederverzeichnis 3 Ehrenmitglieder, 48 Aktive, 33 Passive, 41 Jugendliche und 30 Schüler. Ein Bestand von insgesamt 155 Mitglie-dern.
Breitenarbeit in den Abtei-lungen bahnt sich an und au-ßer der größeren Beteiligung an den Bezirks-, Kreis– und Gaufesten beginnt die Zeit der Beschickung der Bergfes-te wie Kaiserberg, Harkort, Süchteln, Bökelberg und Ve-nusberg (Bonn), auf denen jahrzehntelang bewährte Turnfreunde und Könner er-folgreich die Farben des Tur-nerbundes vertraten.
Am 31. Dezenber hatte unser Verein 155 Mitglieder.
1921
Am 25. Januar 1921 werden erstmals Forderungen in der Lokalpresse nach der Bildung eines Dachverbandes für die Essener Sportvereine laut. In der Folge kommt es am 6. März 1921 zur Gründung des Stadtverbands für Leibes-übungen Groß-Essen (später Stadtsportbund Essen), dem Vorläufer des heutigen Esse-ner Sportbundes.
Vertreter unserer Farben und Sieger auf dem stattfin-denden Gaufest in Horst-Emscher werden die Turnge-nossen Johann Müller, Jo-hann Mütze, Hermann Witte, Christian und Jakob Huying und die Turngenossing Ma-thilde vorm Walde. 1922
Am 7. April 1922 vollzieht sich eine Neustrukturierung der Essener Stadtverwaltung und es wird ein neues Stadt-amt eingerichtet: das Stadt-amt für Leibesübungen.
Der 1908 gegründete Tam-bourkorps der Jünglingskongreation an St. Josef macht sich am 31. De-zember selbständig unter dem Namen „Gut Freund“. 1929 wird „Gut Freund“ auf-grund der politischen Um-stände auch einige Jahre zum Turnerbund gehören.
Für 4.000 Mark wird durch den Verein ein Spielplatz an
Chronik
Nach dem 1. Weltkrieg wurde der Turnbetrieb wieder aufgenommen.
1918 bis 1922